Tagebuch einer schlecht abgegrenzten Mutter – Kapitel 1: Muttertag

Okay, Muttertag. Wikipedia schreibt dazu: Muttertag – Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Der Muttertag ist ein Tag zu Ehren der Mutter und der Mutterschaft. Er hat sich seit 1914, beginnend in den Vereinigten Staaten, in der westlichen Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum, den USA und anderen Ländern wird er am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. (https://de.wikipedia.org/wiki/Muttertag).

Der Druck hat sich bei mir schon Tage vorher aufgebaut bei der Frage meiner erwachsenen Tochter, ob wir denn wohl Kaffeetrinken. Rücksichtsvollerweise ging die Frage nicht an mich, sondern an meinen Mann – über’s Telefon – der die Frage dann noch während des Telefonats an mich weitergab. Wie lautete meine Antwort? Na klar: „Sicher, immer gerne.“ Und „Was würdet ihr denn gerne für Kuchen essen?“. Also, planen und am Muttertag backen. Jedes Jahr denke ich mir direkt im Anschluss „Mist, wieder ein halber Tag Arbeit, obwohl doch ich geehrt werden sollte…“. Und dann klingelt mir immer dieser Spruch im Ohr: Jeder Tag sollte Muttertag sein! Wo war noch gleich der passende Emoji… ah, hier: 😂.

Aber stimmt ja eigentlich auch. Mein Sohn benutzt ihn gerne, weil er in der Regel kein Geschenk hat und von seinen drei Geschwistern damit aufgezogen wird. Schlaues Kerlchen – auf den Kuchen will er aber auch nicht verzichten, damit ich vielleicht nicht so viel Arbeit habe 😉.

Genug gejammert, jetzt also der Tag bis jetzt: 10. Mai 2020, 14:26 Uhr:

Aufwachen und den romantischen Andeutungen des Ehemanns entfliehen, weil ich ahne, dass heute viel zu erledigen ist. Frühstück machen, weil ausgerechnet heute keiner so richtig aus dem Bett kommt – außer mir. Nach dem Frühstück muss die jüngste Tochter zur Freundin gefahren werden, denn sie hat gestern schließlich den ganzen Abend für mich gebastelt (etwas sehr, sehr Schönes übrigens 😊) und da es mit dem Einrad fahren gerade so gut läuft, muss heute unbedingt gemeinsam weiter geübt werden. Und jetzt darf man ja mal wieder….

Das Fahren übernimmt zum Glück mein Mann – ich würde ja sonst die Tiramisu-Torte und den veganen Apfelkuchen gar nicht schaffen. 2 Stunden später sind die Kuchen fertig. Braucht man so viel? Naja, Eltern, 4 Kinder und 2 „Schwiegerkinder“  um die 20, da geht ne Menge rein. Dann erwähne ich meinem Mann gegenüber (der Einzige, der sich seit dem Frühstück in meiner Gegenwart aufhält), dass unbedingt nochmal gesaugt werden sollte… Er sagt, er geht schnell mal in den Keller. Das finde ich extrem rücksichtsvoll, denn so habe ich mehr Platz und Ruhe zum Saugen! Als ich fertig bin, kommt er wieder hoch… und hat ein kleines Geschenk zum Muttertag für mich dabei 😇.

Mir wird bewusst, wie angespannt ich eigentlich schon seit zwei Tagen bin und wie wenig ich die Hilfe, die mir bestimmt jeder geben würde, einfordere. Will ich das vielleicht alles selbst machen, um mich auch ein Stück weit bei meiner Familie zu bedanken? Fällt mir das Abgrenzen schwer, weil ich als Kind immer dankbar sein MUSSTE? Und das meine ich so – realistisch betrachtet, trage ich dieses Gefühl des anstrengenden Tages in mir, seit ich denken kann. Mit der Vergangenheit abschließen wäre vielleicht die einzige Möglichkeit, die Belastung umzudeuten und den wahren Beweggrund zu sehen, warum mir all das – der Kuchen, das Zusammensein, das Schöne für die Familie schaffen – so wichtig sind und mir eigentlich Freude bereiten.

Letztes Jahr war ich mit einer Freundin einen ganzen Tag am Timmendorfer Strand in der Sauna – das war toll, aber irgendwas fehlte…

Genießt den Tag – Bewusst und Achtsam.

Eure Sylvia

Social Distancing – Fluch oder Segen

#socialdistancing – in aller Munde. Klar, Zuhause bleiben scheint die einzige echte Option, die Infektionskurve abzuflachen. Damit schützen wir uns und andere. Aber nach 14 Tagen des Social Distancing merke ich auch, dass bei den ersten Sonnenstrahlen die Menschen nach draußen drängen, die Parks und Wanderwege bevölkern und in Scharen auf den Markt ziehen.

Ich finde das total verständlich. Wir brauchen Nähe, persönliche Unterhaltung auch mal wieder ohne Technikunterstützung, Berührungen. Dennoch birgt genau das die Gefahren. Wir müssen mit der Familie „vorlieb“ nehmen, den Menschen, mit der wir unsere Wohnung, unser Leben unmittelbar teilen. Es ist gut, wenn wir nicht alleine Leben – dennoch schrieb ein Freund mir: Mehr „Social Distancing in der Familie wäre auch mal nicht schlecht.“ 😉

Homeoffice with Kids – eine echte Herausforderung. Aber auch tagtäglich alles – und ich meine ALLES – mit dem Partner teilen, kann ganz schön belastend sein. Jammern auf hohem Niveau, ich weiß. Belastung, sondern als echte, manifeste Bedrohung. Die Leiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, Frau Heuser-Collier, gab zu diesem Thema am 3.4.20 abends in der Sendung Aspekte (ZDF) ein interessantes Interview dazu. Sie differenzierte in diesem Kontext zwischen Social Distancing und Physical Distancing – eine Unterscheidung, die den Unterschied macht. Ich denke, dass genau das der Knackpunkt ist. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Ich würde sagen beim Physical Distancing ist es halbvoll – und dieses positive Gefühl und die positive Sicht auf die Situation hilft allen, damit besser umzugehen. Wir sollen uns eben nicht sozial distanzieren. Das würde im Wortsinn heißen, dass wir uns zurückziehen und Kontakte generell runterfahren. Das ist aber nicht gemeint, oder?

Seid aktiver in den Sozialen Medien, telefoniert, postet, twittert, schickt Euch Fotos – und vor allem ermutigt alleinstehende und psychisch beeinträchtigte Menschen diesen positiven Blick auf Distanzierung – zu erkennen und als Ressource zu sehen gesund zu bleiben.

Bleibt social! Es gibt genügend Kanäle dafür 😉

Und bleibt vor allem gesund.

Eure Sylvia

Noch ein Blog…

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es auch für mich ein guter Weg ist, meine Ideen und Impulse auf diese Weise zu teilen. Und jetzt habe ich die Entscheidung getroffen, das zu tun. Aller Anfang ist schwer und so muss ich erst einmal lernen, weniger zu schwafeln und mich mehr auf das zu konzentrieren, was ich eigentlich sagen möchte. Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich in einem Gespräch über freie psychologische Beratung – die nicht über die Kasse abgerechnet werden kann – als allererstes rechtfertigt.

  • Warum sollte man für etwas bezahlen, was man auch bei einem niedergelassenen Therapeuten im Rahmen der gesetzlichen Kassenleistung bekommen kann?
  • Und warum sollten Sie eine psychologische Beratung in Anspruch nehmen, die gar nicht als sogenannte Richtlinientherapie gilt?

Das sind die Fragen, die mir in der Regel als erstes in Orientierungsgesprächen gestellt werden.

Meine Antwort kann da nur lauten: Es ist vollkommen okay, wenn Ihnen diese Leistung entweder zu teuer ist oder es Ihnen vielleicht schwer fällt, sie zu finanzieren. Denn nur wenn Sie sich ausschließlich auf Ihr(e) Anliegen fokussieren können, ohne das Mitschwingen der finanziellen Frage, kann die Beratung Ihnen helfen.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für die freie Therapie brechen.

Ich denke, ein dominanter Grund, sich für eine freie Therapie/Beratung zu entscheiden, ist der zur Zeit herrschende Therapeutenmangel in Deutschland. Denn selbst wenn Sie von der Ärztin Ihres Vertrauens eine Überweisung für eine Psychotherapie erhalten, dauert es derzeit Wochen bis mehrere Monate, bevor Sie einen Gesprächstermin in einer psychotherapeutischen Praxis bekommen. Hier füllen wir freien Therapeuten eine wichtige Lücke zum Erhalt Ihres psychischen Wohlbefindens und zur Prophylaxe – auch wenn es anschließend in eine weitere Therapie gehen soll.

In der freien Therapie sind wir nicht an Therapiepläne gebunden und als freie Therapeutin/Beraterin bin ich keine Rechenschaft gegenüber der Krankenkasse schuldig. Das hat zwei ganz wesentliche Vorteile:

  • Zum Einen tauchen die Behandlungsdaten in keinem berufsrelevanten System auf. Da psychische Erkrankungen in vielen Bereichen leider immer noch stigmatisiert sind, brauchen Sie bei der freien Therapie keine Angst vor Konsequenzen seitens des Arbeitgebers zu befürchten.
  • Zum Anderen vereinbare ich zwar auch einen Therapievertrag, den Sie als Klientin oder Klient und ich gemeinsam unterschreiben. Dieser richtet sich aber ausschließlich nach unseren Vereinbarungen und ist nicht an Richtlinienverfahren gebunden. Das heißt auch in der freien Therapie/Beratung bekommen Sie im Rahmen der Systemischen Praxis wissenschaftlich fundierte Hilfe, aber in Ihrem Tempo und nicht strikt einer Diagnose folgend. Wir sind in der Lage unsere Vereinbarung im Laufe des Prozesses immer wieder individuell anzupassen.
  • Wie oben bereits beschrieben arbeite ich systemisch. Die systemische Beratung und Therapie ist mittlerweile nicht nur wissenschaftlich anerkannt, sondern hat seit 2019 den Status eines Richtlinienverfahrens. Allerdings gibt es bislang keine Kassensitze für die Systemische Therapie. Das wird wohl noch etwas dauern, da die ersten Approbationsausbildungen jetzt beginnen (Dauer 3 Jahre).

Also, lange Rede kurzer Sinn: Ich habe bewusst den Weg in die freie Arbeit gesucht und nicht den Weg über die gesetzliche Bindung – zu Ihrem Vorteil. Sollte ich im Prozess in irgendeinem Moment das Gefühl haben, dass eine andere Therapieform angemessener wäre, würde ich Sie das wissen lassen. Es gehört zu meinen ethischen Prinzipien, immer Ihr Wohl und die bestmögliche Behandlung im Blick zu haben, statt weiter auf mein Geldsäckel zu achten.

In diesem Sinne freue ich mich, wenn ich Ihnen vielleicht Bedenken nehmen konnte und würde mich natürlich freuen, Sie kennenzulernen!

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